
Sonntagmorgen, Spaziergang am See mit meinem Lebensgefährten Thomas
Ich: "Samy Molcho schreibt, wenn der Fuß sich beim Gehen etwas nach außen dreht, ist das ein möglicher Hinweis darauf, dass eine Person in ihrer Zielverfolgung sich zwischendurch gerne auf Nebenwege begibt. Ich finde, dass diese Annahme bei dir treffend ist, nicht?"
Darauf gibt es eine meterlange Demonstration von Thomas in Schnellgehen, und danach die Erklärung in Worten: "Der ausgedrehte Fuß lenkt den Druck eher auf die Körpermitte im Unterschied zum geradlinigen Auftreten, in dem der Imspuls vom Aufsetzen auf die gleiche Körperseite wirkt und die andere Körperseite mit dem Armschwung ausgleichen muss".
Ich will das alles nicht hören, führe ihn zum Sand am Strand und bitte ihn Spuren im Sand zu hinterlassen. Beschwingt und bewegt folgt er meiner Aufforderung. Auf meine Frage, ob er sehen kann, dass seine Fußabdrücke ausgedreht sind, antwortet er:
"Sie sind gerade." Daraufhin lachen wir beide.
Ein paar Meter weiter setzen wir uns auf eine Bank mit Blick auf den See, beobachten das rege Treiben des Windes, der Vögel, einzelner ankommender Badegäste und Thomas nimmt das Thema nochmal auf. Ich frage nach: "Hast du Kritik gehört, als ich dir von dem erzählt habe, was ich bei Samy Molche gelesen habe und dass ich da Parallelen sehe zu deinem Gang?"
"Ja, geradlinig ist für mich im deutschen Sprachgebrauch bewertend mit richtig, korrekt, effizient verbunden."
"Glaubst du, dass etwas mit dir nicht in Ordnung ist, wenn ich das so sehe?"
"Ja."
"Möchtest du dich gerne sicher fühlen, indem du so sein kannst wie du bist?"
"Ja."
Unsere Köpfe lehnen sich aneinander, mein rechter Arm legt sich um seine Schultern.