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Meine Bildungsgeschichte und eine Interpretation des Interviews am 4.11.2002 mit meiner Mutter, gehalten im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Pädagogischen Institut Innsbruck: Herkunft-Bildung-Geschlecht: Leitung Univ.Prof Dr.in Michaela Ralser.
Bildung für Staat und Eltern
Anders als bei meinem knapp ein Jahr jüngeren Bruder, verlasse ich das Elternhaus mit 15 Jahren, um Schülerin der Internatschule für Schisportlerinnen in Stams, Tirol zu werden und bin von da an in meiner Lebens- und Bildungsorganisation weitgehend mir selbst überlassen. Die Bildungsinstitution Internatschule für Schisportlerinnen dient vorerst nicht der geistigen Bildung meiner Person, sondern der Heranbildung körperlich-sportlicher Fähigkeiten. Der Schulunterricht und das dort für Noten und Bleibendürfen erworbene Wissen stehen im Hintergrund. Die sportliche Weiterentwicklung sehe ich rückblickend als Verlängerung der Wünsche meines Vaters, deren Erfüllung ihm durch einen schweren Motorradunfall und dessen Folgen in jungen Jahren verwehrt blieben. Meine Entscheidung für diese Schule wurde von meiner Mutter mitgetragen. Auch sie hegte, gleich meinem Vater, die Hoffnung, dass aus mir einmal eine tolle Schirennläuferin wird.
Meist schielt eine soziale Schicht nach der nächst höheren, der Wunsch nach sozialem Aufstieg be-wegt. Ich stamme aus einem Arbeiterinnenmilieu mit bäuerlichem Hintergrund. Im Vergleich zur in meiner Herkunftsfamilie beinahe tabuisierten Bildung im herkömmlichen Sinne, entfremdet Sport als Aufstiegsmedium nicht so sehr der eigenen sozialen Schicht und ihrem angestammten Denken, wie das Bildung im herkömmlichen Sinne tun kann. Sport stellte für mich insofern den ungefährlicheren Weg dar, weil er nicht so sehr an meinen eigenen im Elternhaus und sozialen Umfeld gewachsenen Weltanschauungen und Überzeugungen rüttelte, wie das Bildung zu tun vermocht hätte.
Das Gymnasium der Internatschule für Schisportlerinnen schloss ich meiner Mutter zuliebe mit Matura ab. Ich hätte es nicht ertragen, zuzusehen, wie sie toben und vielleicht verzweifelt zusammenbrechen würde, hätte ich ihr meine Wünsche über Schulabbruch offenbart. 5 Jahre lang hatte sie sich jeden Schilling vom Mund abgespart, um die Internatskosten zu begleichen.
Das entsetzliche Unbehagen der letzten zwei Schuljahre, das meine Grundstimmung beherrschte, hatte ich ihr gegenüber nie thematisiert - bis heute nicht, fällt mir auf. Das eigene Begehren war nicht wert genug, angesprochen zu werden. Ich ordnete mich einer von mir vermuteten mütterlichen Erwartungshaltung unter. Hier zeichnet sich eine Wiederholung in der Ahninnenreihe insofern ab, als eine Tochter-Mutter-Loyalität inszeniert wird, ohne je in den verbalen Bereich der Kommunikation gebracht worden zu sein. Diese Loyalität fand bei mir ihren Bruch kurz nach der Matura. Ich weigerte mich für Geld einer Erwerbsarbeit nachzugehen, die mir zutiefst widerstrebt hatte. Ein emotionaler Vulkanausbruch meiner Selbst und meiner Eltern endete mit einer Flucht nach vorn. Ich zog aus.
Ein Neubeginn, meine eigene, von innen geleitete Bildungsreise begann. Bis zum heutigen Augenblick ist sie geprägt von Entdeckerinnen- Forscherinnnen und Abenteurgeist - und eine Ende scheint nicht in Sicht.
Aufenthalte und BeWEGung in Räumen, in denen ich Sinn und Bedeutung gesucht und gefunden habe, um mich immer wieder als Mensch selbst neu hervorzubringen - Augenblick für Augenblick.
Aus- und Fortbildung | |
1975 – 1980 | Internatschule für SchisportlerInnen, |
1988 – 1990 | Theologiestudium |
1990 – 1991 | Ausbildung zur med. Masseurin und Heilmasseurin, |
1992 – 1993 | School for Global Consciousness in |
1995 – 1998 | Univ. Lehrgang, |
1999 – 2001 | Univ. Lehrgang, |
2000 – 2004 | Studium der Erziehungswissenschaften/Pädagogik |
2002 | Ausbildung zur Leiterin von ökosozialen Schullandwochen |
2003 | Ausbildung zur Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation |
2005 | Beratung/Coaching mit Gewaltfreier Kommunikation |
Berufslaufbahn | |
1983 – 1986 | Bankangestellte in der Wertschriftenadministration, |
1986 – 1987 | Studienreise nach Mittel- und Südamerika |
1987 – 1988 | Kundenberaterin |
1991 – 1992 | Masseurin, Kur- und Gesundheitscenter in Lingenau |
1996 | Geburt eines Kindes, Familienarbeit |
| seit 2002 | Leiterin von öko-sozialen Schullandwochen und erlebnispädagogischen Exkursionen für Schulklassen am Alpenrhein |
seit 2003 | Referentin für Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg für: |
seit 2005 | Selbständig als freiberufliche Pädagogin und Trainerin für bedürfnisorientierte Kommunikation in unterschiedlichen Projekten. |