
Am Tag nach einer Probeeinheit für Tanz, Gesang und Theater, an der mein Sohn teil nimmt und ich als Zuschauerin kurz vom Leiter eingebunden werde, weil die Zahl der AkteurInnen ungerade ist und die Übung paarweise erfolgte, meldet sich meine innere Erzieherin unüberhörbar und vehement zu Wort.
Die Aufgabe des Kursleiters lautete: Die PartnerIn zu interviewen und mich dann mit den Informationen, die sie mir über sich selbst gab, als Mich vorzustellen und dabei ein Charakteristikum von meiner PartnerIn überzeichnet darzustellen. Da nur sehr schüchtern mit Charakteren gespielt wurde, ändert der Leiter die Aufgabenstellung nach ca 10 Personen. Er sagt zu einem Jungen: Stell dir vor du wärst ein Pfarrer. Zum nächsten Mädchen sagte er: Wähle selbst, stell dir etwas vor, das du bist. Sie wählte eine alte am Stock gehende Person.
Danach sagte der Leiter nichts mehr, ca 10 weitere Personen vor mir geben eher in der Art eines Referats wieder, was sie von ihrer PartnerIn gehört hatten. Als letzte in der Runde bin ich an der Reihe und ich habe Lust, eine lallende und schlurfende Clownin zu spielen und gehe damit in den Kreis.
Tanz zwischen innerer Erzieherin und der inneren Handlungsministerin (Entscheiderin) | |
Urteile der Erzieherin | Urteile der Entscheiderin |
Wie konntest du nur? Du hast sie alle vor den Kopf gestoßen! Hast du gesehen wie sie alle verdutzt dreingeschaut haben? Was, wenn du bei S. (meine Partnerin) ein inneres Drama ausgelöst hast oder ein Schwall an Urteilen? Oder vielleicht haben überhaupt alle gedacht: So ‚deppat’? Und auf den Einfluss, den dein Verhalten auf die Begegnungen aller mit deinem Sohn Simeon (12 J.) haben könnte, nimmst du wohl überhaupt keine Rücksicht? Es ist ganz o.k. wenn dich dein Gewissen plagt, vielleicht gehst du nächstes Mal dann anders vor?! | Stopp! Stopp! So geht’s nicht. Ich bin nicht dafür verantwortlich, was mein Verhalten bei anderen auslöst. Mir ist auch egal, was die anderen über mein Verhalten denken. Ich habe nichts Falsches getan. Die Aufgabe war, in eine gewählte Rolle zu schlüpfen und die andere Person in dieser Rolle als ‚mich selbst’ vorzustellen. |
Dahin hat es sich später bewegt, aber am Anfang lautete die Aufgabe, das Gesagte der anderen Person überzeichnet darzustellen. Wie kommst du dazu, jetzt eine Clownrolle als schlurfende lallende Augustinin zu spielen und damit S. (Partnerin) womöglich auszurichten. | Die Aufgaben haben sich inzwischen doch geändert und S. weiß das bestimmt. Ich hatte einfach Lust diese Rolle zu spielen, weil sie mir auch im workshop letztes Wochenende soviel Spaß gemacht hat. |
Du erlaubst dir einen Spaß auf Kosten von anderen. | Jetzt hör doch auf, wir sind hier in einer Probe für Tanz, Gesang und Theater und ich habe keinen Bock darauf mich in meinem Ausdruck immer einzuschränken nur weil sich andere betroffen fühlen könnten. Wo sonst, wenn nicht hier, kann ich Angebote bewusst in Rollen zu schlüpfen und ausgelassen zu blödeln wahrnehmen und ausleben? |
Gefühle / Bedürfnisse der Erzieherin | Gefühle / Bedürfnisse der Entscheiderin |
Ich fühle mich traurig, wenn ich höre was du sagst. Mir ist nach wie vor wichtig, dass Menschen in ihrem Verhalten auch die möglichen Konsequenzen für alle Beteiligten miteinbeziehen und aufeinander Rücksicht nehmen. | Ich fühle Widerstand und Schwere in mir. Ich mag echt sein dürfen und mich in meinem Verhalten frei bewegen. Mir ist das Wohlbefinden anderer auch wichtig. Aber noch viel wichtiger ist mir meine Lebendigkeit, den Fluss meiner Lebensfreude in mir spüren zu können, ich möchte vorbehaltlos und ohne Zensur und Beurteilungen das leben können, was mir von tief innen heraus Freude bereitet. Mein Handeln war gegen niemand anderen gerichtet, sondern so wie ich es dachte innerhalb eines vorgegebenen Rahmens Ausdruck von dem, was in mir gerade mit Leichtigkeit geflossen ist und ich will endlich mehr Leichtigkeit in meinem Leben. Ich bin müde immer auf so viele andere Rücksicht zu nehmen und mich dabei hintan zu stellen. Ich mag das nicht mehr. Ich will meinem authentischen Selbstausdruck mehr Raum schenken, mich selber tiefer im Fluss meiner eigenen Lebenskraft spüren und mich darin selbst mehr entdecken. Ich weiß nicht, ob du eine Idee davon hast, wie groß meine Sehnsucht danach ist. Ich bin richtig hungrig danach, Neues aus mir selbst hervorzubringen, mir dabei zuzuschauen, mich selbst immer wieder neu zu entdecken und zu staunen darüber was an Form, Gestalt und Leben aus mir herausfließt. Mit dem möchte ich die Welt beschenken, mitgestalten, wirken – und mit nichts anderem mehr. Ich will das ganze Leben, nicht nur ein halbes, lauwarmes. |
Gefühle / Bedürfnisse der Vermittlerin | |
Ich fühl mich recht gut im Gleichgewicht, verbunden mit euch beiden, der Schönheit eurer Bedürfnisse, die ihr hochhaltet: Handelsministerin / Entscheiderin, die schöpferische Kraft, die du freudvoll fließen spüren möchtest, dein Bedürfnis in Leichtigkeit Neues zu entdecken und hervorzubringen und auch dein Bedürfnis Erzieherin nach Miteinbeziehen des Wohlbefindens von Anderen in die Entscheidungen der Handlungsministerin, kann ich in seiner Schönheit warhnehmen und würdigen. | |
Bitte an die Entscheiderin / Handlungsministerin | |
Bei der nächsten Probe S. ansprechen, dich aufrichtig mitteilen in Bezug auf die gestrige gemeinsame Übung und dich nach dem Befinden von S. diesbezüglich erkunden. | |